Mein Thema: der richtige Zeitpunkt für eine Beschwerde. Oder sagen wir: der falsche Zeitpunkt für eine Beschwerde.
Die Bundeswehr hat dafür in der Wehrbeschwerdeordnung (ja, so etwas gibt es!) eigens einen Paragraphen reserviert. Auf diesen Paragraphen hat mich Frank Schubert, ein Seminar-Teilnehmer, aufmerksam gemacht:
Man darf sich also "frühestens nach Ablauf einer Nacht" beschweren bei der Bundeswehr, und wissen Sie auch warum?§ 6 Frist und Form der Beschwerde(1) Die Beschwerde darf frühestens nach Ablauf einer Nacht und muss innerhalb eines Monats eingelegt werden, nachdem der Beschwerdeführer von dem Beschwerdeanlass Kenntnis erhalten hat....
Gegenfrage: Was passiert denn, wenn man sich über etwas aufregt und sich sofort beschwert? Sie wissen es: Das Ganze wird, vorsichtig gesagt, emotional, zu emotional. Man lässt sich zu Ausdrücken hinreißen, die man einen Tag später so nicht mehr schreiben würde.
Einen Tag später würde man in den meisten Fällen gar nicht erst eine Beschwerde schreiben, Kostet ja Zeit. Und es gibt so viele schöne andere Sachen zu tun!
Also: Wenn Sie sich über Ihren Lieferanten, Ihren Chef, einen Beamten oder Ihren Onkel aufregen, bitte nicht gleich losschreiben! Schon gar nicht per E-Mail. Der Senden-Button ist zu verführerisch.
Wie Bismarck mit seinem Ärger umging
Und wohin mit dem Ärger? Gut, wenn Sie unbedingt Ihre Aggressionen abbauen wollen, dann machen Sie es wie Bismarck. Der kannte zum Glück noch keine E-Mail.
Er musste sich offensichtlich über etwas mächtig aufgeregt haben. Wie ging er damit um? Er brachte es zu Papier, in einem Brief an seine Frau. Aber dann:
"Ich schneide ab was ich im mitternächtigen Zorn weiter geschrieben, da die Post doch mitunter in Feindes Hände fällt, und dann meine Klagen zu öffentlichen Anklagen werden können."
Von Bismarck, Otto: Werke in Auswahl, Vierter Band Darmstadt 2001, S. 558
Ein guter Mann! Das können Sie auch!