Das ist nicht in Ordnung. - Das macht man so nicht.

(Killerphrasen 3/5)
Kategorie: Reden Leben
| 05.03.2020 | 0 Kommentare

Diese Formulierung ist leider nicht in Ordnung! Denn die eigentliche Botschaft lautet: "Du bist nicht in Ordnung."

Es gibt in der Tat viele, viele Sachen, die nicht in Ordnung sind. Wie zum Beispiel einem vorübergehenden Passanten ein Bein zu stellen.

Wobei ... - wenn man den Hintergrund und den gesamten Kontext kennt, wäre sogar das eventuell in Ordnung. Wenn man zum Beispiel jemandem ein Bein stellt, damit dieser nicht weiter und damit in den Abgrund läuft. Aber vielleicht hätte man das auch mit einer anderen Maßnahme verhindern können? Also erst fragen und dann urteilen! Wenn überhaupt!

Denn Fakt ist: Über das, was in Ordnung ist und was nicht, gibt es unzählige verschiedene Meinungen (sonst gäbe es auch in einer freien Welt nur eine Partei). Wie schon Goethe sagt:
 
„Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig [...]“

Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre, Lehrbrief, erste Zeile.

Und was folgt daraus? Diese Empfehlung von Georg Christoph Lichtenberg:

 „Vorsichtigkeit im Urteilen ist was heutzutage allen und jeden zu empfehlen ist.“

Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher A 137

Doch selbst wenn wir etwas gefunden haben / hätten, worüber alle übereinstimmen, dass es nicht in Ordnung ist - man möchte das trotzdem nicht gern gesagt bekommen. Weil das ein moralisches Urteil ist. Und den erhobenen Zeigefinger mochten wir schon bei unseren Eltern nicht.

Genug philosophiert! Was man stattdessen sagen sollte? Das kommt auf die Konstellation an. Wenn es sich um eine Vorschrift oder ein bestimmtes Prozedere handelt: "Das dürfen wir nicht ..." oder "Der Kunde wünscht das anders".

Und wenn Sie meinen, dass Sie selbst in einer Weise behandelt werden, die Ihrer Meinung nach nicht in Ordnung ist? Wenn Sie sauer sind? Dann sprechen Sie bitte über Ihre Gefühle und über Ihre Bedürfnisse!

Ja, ich weiß, das tun wir nicht so gerne. Denn damit machen wir uns verletzlich. Das ist unangenehm für uns. Aber immer noch angenehmer, als unserem Gegenüber etwas Unangenehmes zu sagen.

Sie wollen ein, zwei Formulierungsbeispiele? Gern. Statt "Ich finde es nicht in Ordnung, dass Du mich nicht an diesem Abend begleitet hast" könnten Sie zum Beispiel sagen "Ich habe mich an diesem Abend allein gefühlt." Merken Sie, dass das nicht mehr angriffig ist?

Und hier noch ein Beispiel für das Äußern eines Bedürfnisses: Statt "Das geht nicht, dass Du mir die Unterlagen so spät einreichst" könnten Sie sagen: "Ich muss die Unterlagen bis Montag an den Kunden weiterleiten. Wenn ich das nicht schaffe, wird der ungemütlich."


PS. Ich wollte hiermit keinen Freibrief schreiben, dass alles, was immer getan wird, in Ordnung ist! Menschen lieben Menschen mit Überzeugungen. Sofern sie diese vor allem auf sich selbst anwenden.



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